Mit Henne UND Hahn: Ein Landwirt setzt sich für Bruderküken ein

100 Prozent Gleichberechtigung – das ist die Devise von Fabian Häde. Auch und gerade auf seinem Geflügelhof. Hier werden Bruderhähne genauso wie die Legehennen artgerecht und ökologisch aufgezogen. Damit ist der Naturland Landwirt Vorreiter seiner Zunft.

Lesedauer 4:00 Min / 30 Mär, 2021
© Naturland
Weitläufige Grünflächen, dichte Wälder und hügeliges Gelände – der Bio-Hof von Landwirt Fabian Häde könnte idyllischer kaum liegen. Schon von Weitem hört man das wilde Gegacker der Hühner auf dem Naturland zertifizierten Betrieb im hessischen Alheim-Heinebach. Man merkt sofort: So sieht ein gutes Hühnerleben aus.

„Für mich zählt nicht nur die Leistung der Tiere, sie sollen sich auch wohlfühlen.“

Das Ziel von Fabian Häde: So viel Tierwohl wie möglich. Die größte Herausforderung dabei: Auch den Bruderküken ein Leben zu schenken. „Legehennen sind so gezüchtet, dass sie möglichst viele Eier legen, Masttiere hingegen möglichst viel Fleisch in kurzer Zeit ansetzen. Bruderküken, also die männlichen Geschwister der Legehennen, können keine Eier legen, sind aber auch für die Mast ungeeignet“, schildert der junge Landwirt die Problematik.

Im Grünen und in überdachten Wintergärten werden auch die Bruderküken artgerecht aufgezogen.

Die vielerorts gängige und ab 2022 gesetzlich verbotene Praxis, männliche Küken daher direkt nach dem Schlüpfen zu töten, war für den 33-jährigen von Anfang an jedoch keine Option: „Schon in meinem Masterstudium beschäftigte ich mich intensiv damit, wie es anders gehen könnte. Zwar gibt es heute technische Ansätze das Geschlecht bereits im Ei zu bestimmen, um so das Ausbrüten männlicher Tiere zu verhindern. Aber für mich ist das aus tierethischer Sicht keine wirkliche Alternative“, erklärt der studierte Öko-Agrarmanager.

Vielmehr setzt er auf eine andere Rasse, ein sogenanntes Zweinutzungshuhn. Hier legen die Hühner weniger Eier, aber setzen dafür mehr Fleisch an als die typischen Legehennen. Natürlich legen die Bruderküken keine Eier, aber sie sind trotzdem Prachtkerle. Die Haltung von Zweinutzungsrassen ist zwar zeit- und kostenintensiver für den Landwirt, entspricht jedoch vielmehr Hädes Ansprüche an artgerechte Haltung.

Dieser Tierwohl-Gedanke liegt auch der neuen Naturland Initiative „Bruder Küken Leben schenken“ zu Grunde. Diese macht darauf aufmerksam, dass auf allen Naturland zertifizierten Höfen bis Ende 2021 zu jeder Legehenne der dazugehörige Bruder aufgezogen wird. „Ich freue mich sehr, Teil dieser wichtigen Initiative zu sein. So können wir gemeinsam ein klares Signal für die ökologische und artgerechte Aufzucht aller Küken setzen“, erklärt Fabian Häde. Wichtig dabei: Den Verbraucher:innen auch zu erklären, dass es nicht reicht nur die Eier aus dieser Aufzucht zu kaufen, sondern auch das Fleisch. Überhaupt legt der leidenschaftliche Landwirt größten Wert auf die Gesundheit und die artgerechte Haltung seiner 40.000 Tiere. Mindestens einmal täglich geht er in jede der 15 Stallungen, in denen die Hennen und Hähne deutlich mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben haben.

„Wenn ich in den Stall gehe, nehme ich mir viel Zeit und nutze all meine Sinne. So erkenne ich schnell, ob es einem Tier oder einer Herde gut geht oder nicht.“

Viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet Fabian Häde seinen 40.000 Tieren.

Wichtig ist dem jungen Landwirt, dass die Tiere ihre arttypischen Verhaltensweisen wie Scharren, Picken oder Sonnenbaden frei ausleben können. So bietet er allen freien Zugang zu grünen Auslaufflächen und für die Regentage überdachte Wintergärten. Das Futter ist so gut wie 100 Prozent Bio und kommt größtenteils aus der Region. Nicht nur das Kükentöten oder der Einsatz von chemischem Pflanzenschutz am Acker, wie es in der konventionellen Praxis üblich ist, sind für den Junglandwirt ein No-Go. Er möchte künftig sogar Eier erzeugen, die keinen CO2-Fußabdruck hinterlassen. „Da vor allem die Tierhaltung stark in der Kritik steht, den Klimawandel negativ zu beeinflussen, möchten wir als Vorbild dienen und zeigen, dass es auch anders geht“, erklärt Fabian Häde, der den Familienbetrieb bereits in der vierten Generation übernahm. Seit vielen Jahren investiert der studierte Betriebswirt und Öko-Agrarmanager daher in erneuerbare Energien, die dem Mustergeflügelhof zu einer ausgeglichenen Ökobilanz verhelfen. Ein ganzheitliches Konzept, das überzeugt: Erst 2019 wurde Fabian Häde mit dem Ceres Award als „Geflügelhalter des Jahres“ ausgezeichnet.
© Copyright-Text

Bilder © Naturland / Sebastian Stiphout / Christoph Aßmann

Schon gewusst?

Braun oder weiß – wie kommt’s?

Die Farbe der Eier hat nichts mit der Farbe des Gefieders der Hühner zu tun, sondern ist Tierrassen-spezifisch. Und doch gibt es beim Huhn einen Hinweis auf die Farbe: Hat eine Rasse weiße Ohrscheiben gibt es weiße Eier. Ist sie rot, legt das Huhn braune. Die Farbe entsteht durch ausgeschiedene Farbstoffe, die sich in der Kalkschale des Eis anlagern und es braun machen. Über die Qualität des Eis oder die Haltungsform des Huhns sagt die Eierfarbe nichts aus.

Henne oder Ei – was war zuerst da?

Diese philosophische Frage beschäftigt die Menschen schon seit der Antike. Die Wissenschaft hat inzwischen eine eindeutige Antwort darauf: Das Ei war zuerst da. Evolutionsforscher:innen haben herausgefunden, dass es Eier schon seit rund 300 Millionen Jahren gibt, die ersten Hühner jedoch erst seit 50 Millionen Jahren. Domestiziert und zu Haushühnern wurden die Tiere übrigens erst vor 8.000 Jahren.

Frischetest mit dem Wasserglas

Nach dem Kauf werden Eier häufig im Kühlschrank im dafür vorgesehenen Fach ohne Verpackung und damit ohne den Hinweis auf das Mindesthaltbarkeitsdatum gelagert. Ein einfacher Test, mit dem die Frische der ungekochten Eier überprüft werden kann, ist der Schwimm-Test: Man füllt ein Glas mit Wasser und legt das Ei vorsichtig hinein. Wenn es am Boden bleibt, ist es frisch. Wenn es sich aufstellt oder sogar aufsteigt, sollte es zeitnah verzehrt werden. Denn in dem Ei hat sich bereits eine Luftblase gebildet. Sicherheitshalber sollte man ältere oder sogar abgelaufene Eier nicht roh essen, sondern als gekochtes Ei oder gut durchgebratenes Spiegelei verzehren.

Alleskönner Zweinutzungshuhn

Seit Ende der 50er Jahre wurden Hühner aus wirtschaftlichen Gründen ausschließlich auf eine Eigenschaft gezüchtet: ganz viele Eier zu legen oder möglichst schnell viel Fleisch anzusetzen. Die Konsequenz: Viele einheimische alte Hühnerrassen stehen inzwischen auf der Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen. Naturland hat daher das Projekt RegioHuhn ins Leben gerufen: In dem Forschungsprojekt sollen aus sechs alten, regionalen Hühnerrassen durch Kreuzungszucht neue, praxistaugliche Zweinutzungshühner entstehen. Der Vorteil von Zweinutzungshühnern: die Henne eignet sich zur Eierproduktion und die Hähne gleichzeitig zur Mast. Das Problem der „überflüssigen“ männlichen Legerassen-Küken gibt es hier nicht.

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