Mit Mut und Bio-Hafer in eine gesündere Zukunft

Ackerbauer Josef Priller füllt mit seinem Bio-Hafer ganze Supermarkt-Regale. Bei einem Besuch auf seinem Hof erzählt er, warum Landwirtschaft und Klimaschutz Hand in Hand gehen und er positiv Richtung Zukunft blickt.

Lesedauer 3:30 Min / 30 Jul, 2021
© Honigsammler
Urig mutet der Hof von Landwirt Josef Priller an. Seit über 100 Jahren und drei Generationen ist der Betrieb in Landshut bereits in Familienbesitz. Sein Charme ist auf dem Anwesen zu spüren, das Willkommen warm: der 60-Jährige ist ein Bio-Landwirt aus Leidenschaft – das merkt man sofort. Seit 2009 bewirtschaftet er den Betrieb ökologisch und damit klimaschonend. Die Entscheidung für die Naturland Zertifizierung – eine aus tiefster Überzeugung.

„Ich habe mich für Naturland entschieden, weil der moderne, zukunftsweisende Weg des Verbandes mich schon damals überzeugt hat“, erklärt Priller: „Es war mir einfach ein Herzensanliegen, mich für den Schutz der Natur und des Klimas einzusetzen und gleichzeitig gefiel mir der Ansatz, Bio-Lebensmittel aus der Nische zu holen und für eine breitere Öffentlichkeit im Handel zugänglich zu machen.“

Seit 2009 hat der Betrieb von Bio-Landwirt Josef Priller die Zertifizierung von Naturland.

Mit dem Bio-Hafer seiner beiden Betriebe in Landshut und im thüringischen Altenburg beliefert Josef Priller die Drogeriemarkt-Kette dm seit einigen Jahren. Dabei war Naturland eine Hilfe. „Wir arbeiten mit den LandwirtInnen eng zusammen und unterstützen im Anbau, bei der Ernte und natürlich auch bei der Vermarktung“, erklärt Willi Heilmann, Getreidevermarktungs-Experte bei Naturland. Auch durch die stetige Forschung, die verschiedenen alten und neueren Getreidesorten den veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen, unterstützt der Öko-Verband seine Bauern.

„Naturland Landwirt zu sein, bedeutet für mich, immer wieder neue Wege zu gehen, neue Kulturen, neue Sorten auszuprobieren – und damit meine und auch die Landwirtschaft generell weiter zu entwickeln.“

Als Öko-Landwirt arbeitet der gebürtige Bayer in einer fünf- bis sieben-gliedrigen Fruchtfolge. In den kommenden 12 Monaten pflanzt er nacheinander Ackerbohnen, Weizen, Roggen/Sommergerste, eine Zwischenfrucht, Sonnenblumen und Hafer. Durch die verschiedenen Feldfrüchte bleibt der Boden voller Nährstoffe und widerstandsfähiger gegen Krankheiten wie Pilz- oder Schädlingsbefall. So kommt der Landwirt, wie es die Naturland Richtlinien vorgeben, ohne chemischen Pflanzenschutz und mit nur wenig organischem Dünger aus. „Hafer ist eine sogenannte Gesundungsfrucht, da sie den Böden nicht so viel Nährstoffe entzieht wie andere Getreidesorten“, erklärt Heilmann.

„Um den klimatischen Veränderungen in Zukunft gerecht zu werden, müssen wir neue Getreidesorten entwickeln.“

Ein positiver Blick in die Zukunft fällt Josef Priller nicht schwer. Seinen Betrieb sieht er in einigen Jahren bei seinem Sohn Felix, der Agrarwissenschaften studiert, sehr gut aufgehoben. Und der Trend, ökologische Landwirtschaft mit wenig Pestiziden und Maschineneinsatz zu betreiben, geht weiter – da ist sich Josef Priller sicher. Mit seiner Vision einer nachhaltigeren Welt will er diesen Weg aktiv mitgestalten.

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Das Darren sorgt für die Haltbarkeit und Trocknung der Haferkerne.

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Bilder ©dm-drogerie markt, iStock

Schon gewusst?

Hafer ist glutenfrei

Hafer, mit reinem Saatgut, ist glutenfrei. „Die Herausforderung: Um glutenfreie Hafer-Produkte bis zum Supermarkt zu garantieren, ist der gesamte Prozess von der Aussaat über die Ernte und Verarbeitung bis hin zum fertigen Produkt als Haferflocken oder Haferdrink. Denn die wenigsten Landwirte können es sich leisten, eigene Maschinen, Lagerplätze etc. NUR für Hafer zu nutzen. Und sobald schon Weizen o.ä. vom Nachbarfeld, minimalste Reste im Mähdrescher, dem Hänger oder der Mühle sind, kann es zu minimalen Spuren von Gluten der anderen Getreidesorten kommen. 100 % reinen, also glutenfreien, Hafer zu garantieren, kostet ein Vielfaches als bei einem normalen Prozess“, erklärt Willi Heilmann.

Hafer als Arzneipflanze

Ein Korn, drei Heilmittel: Neben dem Haferstroh gewinnen in jüngerer Zeit auch Kraut und Korn an Bedeutung. Das Haferstroh wird für Bäder verwendet, die bei Hautverletzungen und Juckreiz helfen sollen. Für die Nutzung des Krautes wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Das Kraut ist reich an entzündungshemmenden Flavonoiden und immunmodulierenden Saponinen und besitzt einen hohen Anteil an Mineralien wie Kalium, Kalzium oder Magnesium. Entsprechende Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze sind für Allergiker gut verträglich. Aus dem Haferkraut lässt sich ein Tee zubereiten, der bei Schlaflosigkeit helfen soll. Das Haferkorn liefert einen hohen Gehalt an den Vitaminen B1 und B6 sowie viele Ballaststoffe. Von besonderem Interesse sind dabei die Beta-Glucane. Diese haben Wirkungen auf den Verdauungstrakt und den Stoffwechsel, im Vordergrund stehen positive Effekte auf den Cholesterin- und den Blutzuckerspiegel.

Vom Haferkorn zur Haferflocke

Im Sommer, wenn der Hafer goldgelb ist, kann er geerntet werden. Hochmoderne Maschinen trennen das Haferkorn sorgfältig vom Halm. Der Rohhafer wird anschließend gereinigt und gesiebt, um ihn von Unkrautsamen, Stroh, Fremdgetreide und kleinen Steinchen zu befreien. Danach werden die Haferkerne der Länge nach sortiert und erhitzt. Er wird durch etwa 90°C heiße Rohre transportiert, dadurch haltbarer gemacht und erhält seinen besonders leckeren Geschmack. Diesen Vorgang nennt man Darren. Anschließend wird das Korn vom Spelz, also von seiner harten Hülle, befreit – umgangssprachlich geschält. Anschließend werden die Kerne noch mal erhitzt und zu Flocken ausgewalzt.

Nachhaltiger als Bio-Hafer geht kaum

Hafer ist eine sogenannte Gesundungsfrucht, da sie den Böden nicht so viele Nährstoffe entzieht, wie andere Getreidesorten. Außerdem benötigt Hafer viel weniger Wasser im Anbau als andere Getreide. Das macht ihn auch bei den veränderten klimatischen Bedingungen widerstandsfähiger. Auch gegen Pflanzenkrankheiten ist Hafer resistenter als andere Getreidesorten. Dank des regionalen Anbaus in Deutschland ist der Co2-Abdruck im Vergleich zu anderen Pflanzenmilch-Alternativen wie Soja- oder Kokosmilch deutlich geringer (Quelle: https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/oekobilanz-pflanzenmilch).

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