Mehr Gesundheit und Bildung dank nachhaltigem Wildfischfang

Die Naturland Zertifizierung einiger Fischereien am Victoriasee im ostafrikanischen Tansania bringt vielen Einheimischen eine höhere Lebensqualität. Von Schul- und Ausbildung über medizinische Versorgung bis hin zu Schwimmwesten – mit dem Kauf von Naturland zertifiziertem Victoriabarsch kann jeder die Menschen vor Ort unterstützen – und die Fischbestände sowie das Klima schützen.

Lesedauer 2:30 Min

© Naturland
Er mutet an wie das offene Meer, ist aber der zweitgrößte Süßwassersee der Welt: der Victoriasee. Als größter See Afrikas grenzt er an die drei Länder Uganda, Kenia und Tansania. Letzteres ist das Zuhause von Naturland Beraterin Anne Hessenland. Denn neben den Themen Kaffee und Agroforst in Burundi kümmert sie sich als Ansprechpartnerin auch um die Naturland zertifizierte Fischerei von dem Victoriabarsch in Ostafrika.

2008, als örtliche Händler und Firmen am Victoriasee einen Zertifizierer suchten, der nicht nur Verantwortung für nachhaltige Fischerei, sondern auch für soziales Engagement übernimmt, war die Geburtsstunde dieses Pionier-Vorhabens. So entstand vor rund 13 Jahren mit der heutigen GIZ, ANOVA (Importeur), Vicfish Ltd. (heute Supreme Perch) und Naturland dieses Projekt am Victoriasee, im Zuge dessen der Öko-Verband die auch noch heute gültigen Richtlinien für nachhaltigen Fischerei entwickelte.

„Mit der Zertifizierung einiger Fischereien in Tansania hat Naturland hier mit harter Arbeit vieles bewegt und den Menschen vor Ort mehr Lebensqualität beschert.“

Denn Nachhaltigkeit bedeutet eben nicht nur den Fischbestand zu sichern, sondern auch die Menschen in dieser Region zu unterstützen. „Knapp 40 Prozent der Fischereien am Victoriasee in Tansania tragen das Naturland Siegel“, erzählt Anne Hessenland: „Das soziale Engagement erreicht aber die gesamte Region hier.“ Die Naturland Wildfisch Zertifizierung trägt in den Fischereigemeinden und der ganzen Region zu einer höheren Lebensqualität bei. Neben sauberem Trinkwasser für alle und der Verfügbarkeit von Schwimmwesten für die Bootsmänner, werden die Frauen der Fischer beim Zugang zu einer Erwerbsarbeit, wie z. B. dem Schneidern, unterstützt. Darüber hinaus wird in Bildung investiert. Für jedes Kind muss im Umkreis von 5 Kilometern Zugang zu einer Schule gesichert sein. Erwachsene werden über Wasserqualität aufgeklärt, neue Brunnen ausgehoben. Auch eine mobile Klinik versorgt die Menschen auf den Fischerinseln regelmäßig mit medizinischer Hilfe, Impfungen und jedweder Art der Wundversorgung.

„Der Klimawandel ist bereits zu spüren. Die Luft wird wärmer, die Fische schwimmen in tieferen Bereichen. Das erschwert das Fischen und reduziert die Mengen – und erhöht damit den Preis.“

© Copyright-Text

Anne Hessenland betreut tansanische Fischer zu nachhaltiger Fischerei.

© Copyright-Text

Um die Fischbestände und das gesamte Ökosystem vor Ort zu schützen, werden regelmäßige Wasserproben entnommen und ausgewertet. Die Fischer arbeiten mit speziellen Stellnetzen und Haken, die garantieren, dass keine zu jungen Barsche (unter 50 cm Größe) gefangen werden, kleinere durch die großen Maschenweiten der Netze wieder entkommen.

Die Verarbeitung erfolgt hygienisch und unter streng kontrollierten Vorgaben.

An Land sind die Fischer dabei, wenn ihr Fang mit geeichten Waagen gemessen und sie gerecht dafür bezahlt werden. Diese Langzeit-Beziehung mit den Abnehmern, den zertifizierten Unternehmen, garantiert den Fischern nicht nur ein gerechtes, sondern auch regelmäßiges Einkommen.
Die Weiterverarbeitung erfolgt hygienisch und unter streng kontrollierten Richtlinien. Die Inspektionsberichte sind auf der Naturland Website öffentlich einsehbar.

„Ich kann verstehen, dass den Verbrauchern (noch) das Vertrauen in dieses afrikanische Produkt Victoriabarsch fehlt. Wir alle sind bereit, Fragen zu beantworten.“

„Leider gibt es noch viele Fischer, die mit illegalen Fangmethoden arbeiten. Uganda und Kenia haben Interesse an der nachhaltigen Fischerei, der Markt dafür ist jedoch nicht da“, erzählt die zweifache Mutter: „Umso wichtiger, dass die Verbraucher genau hinschauen, was sie kaufen. Denn hier kann ich jeden Tag den Unterschied sehen, den wir als Europäer auch in ferneren Ländern mit dem bewussten Einkauf von Lebensmitteln machen können.“

© Copyright-Text

Dank geeichter Waagen bekommen die Fischer eine gerechte Bezahlung für ihren Fang.

© Copyright-Text

Bilder: © Naturland

Schon gewusst?

Rund um den Victoriasee

Der Victoriasee ist der größte See Afrikas sowie nach dem Lake Superior der zweitgrößte Süßwassersee der Welt. An ihn grenzen die drei Länder Kenia, Tansania und Uganda. Mehr als 30 Millionen Menschen leben in der direkten Umgebung des Sees. Er hat eine Fläche von 68.800 km² und ist mit einer Tiefe von maximal 80 Metern ein relativ flacher See. Im Norden reicht der Victoriasee bis zum Äquator, im Süd-Osten grenzt er an den bekannten Serengeti Nationalpark.

Für Koch-Anfänger geeignet

Das Fleisch des Victoriasee-Barsches ist fest, der Fisch zerfällt nicht beim Kochen. Das macht ihn zum perfekten Fisch – auch für ungeübte Köche. Würzig im Geschmack bleibt er auch beim Grillen, Dünsten oder Braten saftig. Die Lieblingsfische der Deutschen sind bisher jedoch der Lachs, gefolgt von Thunfisch, dem Alaska-Seelachs und dem Hering. 2019 lag der durchschnittliche Konsum von Fisch und Fischereierzeugnisse wie Krebsen, Krabben oder Garnelen in Deutschland bei rund 13,2 Kilogramm pro Kopf. Die größten Fischliebhaber wohnen in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein.

Gefahren durch Natur und Mensch

Neben der Gefährdung des Sees und seines Ökosystems durch Überfischung, stellt die Wasserhyazinthe eine weitere Bedrohung für den Viktoriasee dar. Die Süßwasserpflanze, die zu wucherndem Wachstum fähig ist, wurde im 20. Jahrhundert als Zierpflanze eingeführt. Seitdem hat sie sich so rapide verbreitet, dass sie Ende der 1990er einen drastischen Rückgang des Fischbestandes im Viktoriasee verursachte, da sie dem Wasser Sauerstoff entzieht. Ihre Ranken blockieren die Zu- und Abflüsse des Sees und erschweren die Fischerei und den Transport über den Wasserweg.

Wildfang vs. Aquakultur

Viele Fische (wie z.B. Lachs als beliebtester Fisch der Deutschen) sind durch die Überfischung stark bedroht. Daher sollte man beim Kauf unbedingt auf Fisch aus ökologischen Aquakulturen oder nachhaltigem Fischfang zurückgreifen, zu erkennen am Naturland Siegel auf der Verpackung. Tatsächlich stammen heute schon mehr als die Hälfte der weltweit verzehrten Fische und Meeresfrüchte aus Aquakulturen. Wildfisch, wie der Naturland Victoriabarsch, ist zwar kein Bio-Fisch, weil eben wilder Fisch – ohne Medikamente und Co. Die Verarbeitung erfolgt jedoch unter den strengen Richtlinien des Öko-Verbandes Naturland.

Nach oben
Diesen Beitrag teilen...

Weitere spannende Themen für Dich

© Naturland
N-MACHEN

Agroforst und die Revolution im ökologischen Kaffeeanbau

Anne Hessenland treibt seit 2012 im Auftrag des größten international aktiven Bio-Verbands Naturland von Tansania aus die Umstellung in den afrik...
© Dirk Bruniecki
N-MACHEN

Ein Leben für selten gewordene Tiere in der Landwirtschaft

Sie ist 25 Jahre alt und fasziniert von jahrhundertalten Schweine-, Schaf-, Ziegen- Kuh- und Eselrassen: Johanna Mehringer betreibt in Niederbaye...
© 2020, Magazin N wird herausgegeben von Naturland e.V.
Folge Naturland auf Social Media
Naturland Logo