Das Bio-Reinheitsgebot beginnt auf dem Acker

Als größte Bio-Brauerei Deutschlands hat Neumarkter Lammsbräu eine Vorbild-Funktion. Johannes Ehrnsperger führt das Familienunternehmen ganz im Sinne seines Vaters: Er engagiert sich auf allen Ebenen für den ökologischen Landbau. Als besonders wichtig und schützenswert hat die Brauerei früh das Thema Wasser erkannt. Für alle eigenen Produkte, darunter auch Naturland zertifizierte Limonade und Mineralwasser. Und als Grundlage jeglichen Lebens.

Lesedauer 4:30 Min

Dieser Artikel wird zur Verfügung gestellt von Naturland Zeichen GmbH

© Neumarkter Lammsbräu
Die Bio-Mälzerei sieht man als erstes. Dann steigt der leicht süßliche Geruch nach Malz in die Nase. Willkommen in Neumarkt in der Oberpfalz, vor den Toren der Bio-Brauerei Lammsbräu. Lammsbräu ist mit rund 106.000 Hektorliter Bier pro Jahr die größte Bio-Brauerei Deutschlands. Ihre Strahlkraft geht weit über die Grenzen der Kleinstadt hinaus: Sie ist Impulsgeber für den ökologischen Landbau in der gesamten Region.

Den Grundstein dafür legte Franz Ehrnsperger 1977. Damals entschied der diplomierte Braumeister, nur noch ökologisch zu arbeiten. Seither wurde das Familienunternehmen mit Auszeichnungen für Umwelt- und Naturschutzengagement überhäuft, darunter der EMAS-Award. Lammsbräu war dabei von Anfang an Naturland Partner.

„Ausschlaggebend war für meinen Vater nicht nur der Bio-Gedanke, sondern die Frage: Welches sind die besten Rohstoffe? Die Qualität ist bis heute das entscheidende Kriterium und unser Schlüssel zum Erfolg“, erzählt sein Sohn und Geschäftsführer Johannes Ehrnsperger. „Mein Vater definierte das Reinheitsgebot damals neu: Es beginnt für unsere Brauerei bereits auf dem Acker.“ Seit 1984 gibt es Bio-Bier nach Lammsbräus „Ökologischem Reinheitsgebot“. Das Gebot stand Pate bei der damals entstehenden EG-Bio-Verordnung, Vorläufer der heutigen EU-Öko--Verordnung.
So reines Bier ist bis heute eine Rarität. Weltweit gebe es nur etwa zwei Dutzend Betriebe, die Hopfen zu 100 Prozent ökologisch anbauen, erzählt Ehrnsperger junior: „Hopfenanbau ohne Chemie ist wahnsinnig schwierig und unglaublich zeitintensiv.“ „Eine weitere Besonderheit: Bei uns wird dieser kostbare Rohstoff als ganze Dolde verwendet – nicht in Form von Hopfenextrakt oder Hopfenpellets.“ Dann schwärmt er von der sensorischen Ausgewogenheit seines Bio-Biers. Es sei das zarte Aroma von frischem Naturdoldenhopfen – beim Urstoff die Sorte „Hallertauer, Hallertauer Tradition und Hallertauer Cascade “ - gepaart mit feiner Röstnote und vollem Malzaroma. Beim Weißbier ”spielt unsere selbst gezüchtete Bio-Hefe die geschmacksdominierende Rolle mit fruchtigen Aromen von Bananen, Aprikosen, einem Hauch Zitrone sowie Gewürznelke.”

Seit über 200 Jahren ist Lammsbräu im Familienbesitz – aktuell leitet Johannes Ehrnsperger die Geschäfte der Brauerei.

Neben dem Hopfen werden auch alle anderen Rohstoffe, wie Braugerste und Dinkel, ökologisch angebaut. Auf das Wasser, die „Frucht des Bodens“ wie es Lammsbräu nennt, legt Johannes Ehrnsperger größten Wert. In seinen Augen wird es ebenfalls „angebaut“, hat eine Vegetationsperiode und kann geerntet werden. Bis zu 76 Meter tief liegen die Quellen von „Bio-Kristall“, dem ersten zertifizierten Bio-Mineralwasser Deutschlands. „Wir betrachten uns auch als Bio-Wasserbauern“, sagt der Geschäftsführer, „weil wir Verantwortung für die Qualität und den nachhaltigen Schutz unseres Wassers tragen“. Auch durch die schonende Fahrweise der Brunnen schafft es das nachhaltig wirtschaftende Familienunternehmen, sein Wasser behutsam zu ernten und damit den Grundwasser-Pegel konstant zu halten.

Das Bio-Wasser BioKristall steht für Reinheit, ausgewogene Mineralisierung und aktiven Wasserschutz.

Für gutes Grundwasser braucht es ein gezieltes Wasserschutz-Konzept. Hierzu trägt vor allem der Verzicht auf jegliche Ackergifte – also Pestizide - bei. Funde des Pestizids Atrazin im Grundwasser sorgten in der hügeligen Karst-Region in den 80er Jahren für einen Schock – und für ein Umdenken . Das gesamte unternehmerische Handeln ist an den Grundsätzen der nachhaltigen Philosophie des Familienunternehmens ausgerichtet. Im Gegensatz zu vielen internationalen Brauereien kauft Lammsbräu auf dem Weltmarkt keine Rohstoffe ein, sondern bezieht diese von Landwirten in der Region, mit denen sie langfristige Verträge haben. Sogar Wachstum definiert Lammsbräu nachhaltig. „Nur, wenn alle Bereiche mitwachsen, von den Rohstoffen der Landwirte über die Mälzerei bis hin zu den Mitarbeitern in der Verwaltung, ist es ein gesundes Wachstum“, versichert der ausgebildete Braumeister Ehrnsperger.

Auch bei der Entwicklung unserer now Bio-Limonaden, die seit 2009 im Lammsbräu-Sortiment sind, spielt der Öko-Verband eine wichtige Rolle“, erklärt Ehrnsperger: „Denn Naturland stellt unsere hohen Anforderungen entlang der gesamten Lieferkette sicher und sorgt dafür, dass Früchte wie Zitronen und Orangen in bester Bio-Qualität und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden.“

Neben diesen essenziellen Attributen hat der Lammsbräu-Chef eine klare Mission: Mehr Menschen für den Öko-Landbau zu begeistern, Verbraucher:innen genauso wie Produzent:innen. Dabei geht es dem Familienvater nicht um Wachstum um des Wachstums Willen: „Der ökologische Landbau ist die einzig echte Alternative, wenn wir auch seitens der Landwirtschaft die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen minimieren wollen.“

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Das Sudhaus mit dem kupfernen Kessel ist das "Wahrzeichen" von Lammsbräu.

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Bilder: © Neumarkter Lammsbräu

Schon gewusst?

Was unterscheidet Bio-Wasser von Nicht-Bio-Wasser?

Umweltfreundlichkeit! Alle Bio-zertifizierten Mineralbrunnen müssen ein ganzes Bündel an Nachhaltigkeitsmaßnahmen nachweisen. So müssen Brunnen mit dem Siegel der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser vor allem die ökologische Landwirtschaft fördern – mit dem Ziel, in ihrer Region bei 100 Prozent zu landen. Zudem brauchen sie eine Klimastrategie und müssen belegen, dass sie kontinuierlich energie- und ressourceneffizienter arbeiten.

Die ökologischen Braurichtlinien

Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 ist das älteste Lebensmittelgesetz der Welt und Grundlage für die sorgfältige Herstellung der Biere von Neumarkter Lammsbräu. Doch das Unternehmen geht noch einen Schritt weiter und braut nach dem ökologischen Reinheitsgebot. Das bedeutet unter anderem, dass zu 100 Prozent Rohstoffe aus dem Öko-Landbau verwendet werden. Dadurch sind nicht nur Braugetreide und Aromahopfen in bester Bio-Qualität, Neumarkter Lammsbräu fördert zudem nachhaltig den Umweltschutz. Denn jeder Acker, der ökologisch bewirtschaftet wird, schützt die Artenvielfalt, den Boden und das Grundwasser.

Der wahre Wert des Öko-Landbaus

Gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Organisation Regionalwert Leistungen GmbH, die sich als Vermittler:in zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft sieht, versucht Neumarkter Lammsbräu, den konkreten Wert des Öko-Landbaus zu ermitteln. Um dieser besonderen Arbeit für Umwelt und Gemeinwohl mehr Wertschätzung beimessen zu können. Ziel ist außerdem eine Grundlage für eine bessere Entlohnung von Bio-Landwirt:innen zu schaffen. Die ersten Ergebnisse sind schon in der Pipeline.

Bio-Hopfen: eine Seltenheit

Bio-Hopfen ist eine Rarität. Weltweit gibt es nur etwa zwei Dutzend landwirtschaftliche Betriebe, die diesen anbauen. Die Sorten haben klangvolle Namen wie Polaris, Cascade, Saphir, Opal oder Smaragd. Die Nachfrage steigt konstant. Doch nur wenige Bäuerinnen und Bauern wagen den Schritt. Denn der Hopfenanbau ohne synthetischen Pflanzenschutz ist extrem aufwändig, vieles muss von Hand gemacht werden. Im konventionellen Anbau werden hingegen intensiv Pestizide eingesetzt.

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