Wo alles in Asche lag, scharrt und schmatzt es heute prächtig

Feuer, Sirenen und Rauch überall - 2015 geht die Familie May durch die Hölle, der Hof brennt völlig ab. Mit einem überzeugenden Gesamtkonzept gelingt Naturland Bauer Christian May und seiner Familie aber ein unglaubliches Comeback. Heute ist der Hof ein Aushängeschild für den ökologischen Landbau.

Lesedauer 4:30 Min

© Biohof May
Ställe brennen lichterloh, alles voller Rauch, Sirenen durchbrechen die nächtliche Stille, die Feuerwehreinsatzfahrzeuge sind überall! Was wie ein Katastrophenfilm klingt, wurde auf dem Hof der Familie May im unterfränkischen Junkershausen im November 2015 entsetzliche Realität. Menschen kamen zum Glück nicht ums Leben.
Knapp sieben Jahre später – nach Monaten der Verzweiflung, gesundheitlichen Tiefschlägen und jahrelanger Bauzeit – glänzt der Biohof May heute als Vorzeigebetrieb im Bereich der Schweinehaltung. Doch der Weg war steinig. „Meine Eltern standen vor einer Ruine, vor den Scherben ihres Lebens. Es war emotional brutal“, erzählt Landwirt Christian May, ältester Sohn der damaligen Hofbetreiber Klara und Dietmar May: „Sie wussten nicht, wie es weitergeht, weder wie noch ob noch mit wem.“ Nicht einmal die Hofnachfolge war geklärt.

Der Biohof May nach dem Brand im November 2015.

„Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als Bio-Bäuerin zu werden.“

Christian May, der in Witzenhausen und Wien Öko-Landbau studiert hat, lebte damals mit seiner Frau Rebekka in Frankfurt und arbeitete in einer ökologischen Unternehmensberatung. Ausschlaggebend für die Entscheidung, den Hof der Eltern zu übernehmen, war am Ende Rebekkas Votum. Auf die Frage, ob sie es sich vorstellen könne, auf dem Betrieb seiner Eltern zu arbeiten, antwortete die studierte Medienexpertin aus Gießen: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als Bio-Bäuerin zu werden.“

Die nächste Generation: Rebekka und Christian May mit ihren Zuchtsauen.

„Nachdem sich die beiden Generationen gemeinsam erneut für Schweinehaltung entschieden hatten, machten sich Christian und sein Vater auf monatelange Tour durch Deutschland und Österreich. Sie ließen sich von den verschiedensten Öko-Betrieben inspirieren, von unterschiedlichen Firmen beraten – und planten und bauten dann, was ihnen selbst am besten gefiel.“

 „Wir wollten Ställe, wo jeder gerne Schwein sein möchte.“

Herausgekommen ist ein Zucht- und Mastbetrieb, der in Deutschland seinesgleichen sucht: Die Ställe sind in die hügelige Landschaft der Rhön gebaut, die Tiere haben Tageslicht, Luft und Sonne, dazu viel Stroh und reichlich Grünfutter, dazu Futterautomaten und speziell angepasste Lüftungsanlagen. Kurz: Auf dem Biohof May möchte jeder gerne Schwein sein (hier geht´s zum virtuellen Stallrundgang). Vor allem die Einheit von Zucht und Mast war den Mays wichtig, sie wollten weg von der üblichen Spezialisierung auf eine der beiden Bereiche. Den Kreislauf perfekt macht, dass sie das Futter für die Tiere selbst anbauen­ und die Felder mit dem Mist ihrer Schweine wieder düngen.

© Copyright-Text

Der Biohof May glänzt heute als Vorzeigebetrieb in der Schweinehaltung.

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Der immense Aufwand für die neugebauten Ställe – handwerklich und finanziell – wird sich wohl erst in Jahrzehnten rechnen. Aber im Fokus der Mays steht, dass es ihren Tieren gut geht und ihr Hof zukunftsfest ist. Denn sie gehen davon aus, dass die Anforderungen auch im Öko-Bereich wachsen werden.

„Unsere vier Zwergziegen sind die besten Bodyguards.“

Zwei der vier „Bodyguards“ auf dem Bauernhof.

Die 40 Zuchtsauen samt ihrer Ferkel und die 350 Mastschweine sind nicht die einzigen Tiere hier. 450 Legehennen und vier stolze Hähne leben in zwei mobilen Ställen. Sie werden alle paar Wochen versetzt. Die Hühner haben so immer einen frischen Auslauf und der Boden kann sich besser und schneller regenerieren. Draußen auf der Wiese haben sie genug Platz zum Scharren, Picken und Sandbaden. Vor Greifvögeln und Füchsen wird das Federvieh von den vier Zwergziegen beschützt: Ronny, Maik, Sancho und Pancho. „Unsere vier Zwergziegen sind die besten Bodyguards“, sagt Christian May.

Außergewöhnlich ist auf dem Biohof May, dass in achtgliedriger Fruchtfolge – also nacheinander Weizen, Hafer, Roggen, Ackerbohnen, Dinkel, Gerste und zwei Jahre hintereinander Luzerne-Kleegras – angebaut wird. Der Großteil wird für die eigene Futtermischung der Hoftiere verwendet. „Wir sind überzeugt, dass der Boden im Kreislauf des Lebens eine ganz besondere Stellung einnimmt“, erklärt Christian May. „Ein gesunder Boden erzeugt gesunde Pflanzen, gesunde Pflanzen erzeugen gesunde Tiere – und gesunde Tiere und Pflanzen halten den Menschen gesund.“

Die Umstellung auf bio fand bereits im Jahr 1989 statt, als Christian Mays Eltern sich dem Öko-Verband Naturland anschlossen. „Schon meine Eltern waren von dem modernen und sozialen Weg überzeugt“, schwärmt der 39-Jährige Hoferbe. “Heute haben wir einen grandiosen Berater bei Naturland, der uns in allen Belangen unglaublich gut unterstützt.“

„Für unseren Dinkelreis sind wir in der ganzen Region bekannt – sogar bei Frankfurter Spitzengastronomen.“

Neben den Tieren liegt das Augenmerk der Mays mittlerweile auf der Direktvermarktung: Diverse Fleisch- und Wurst-Spezialitäten, die Hof-eigenen Eier, verschiedene Mehle, Nudeln und Honig. Der Bestseller im eigenen Hofladen und im gut gefüllten Online-Shop ist der Dinkelreis. Vater Dietmar stellte ihn schon Mitte der 90er Jahre her. Für diesen Reis seien sie sogar überregional bekannt, erklärt Christian May: „Wir beliefern auch Frankfurter Spitzengastronomie mit unserer regionalen Reis-Alternative.“

Für den hofeigenen Dinkelreis ist Familie May in der ganzen Region bekannt.

Die Direktvermarktung ist aus seiner Sicht die beste Möglichkeit, als Betrieb zu wachsen, so dass sich die Kosten für den Neubau irgendwann amortisieren. Und sich das tragische Unglück endgültig in Glück verwandelt.

Bilder: © Biohof May, © Markus Büttner, © Büro Schramm

Schon gewusst?

Fleischkonsum in Deutschland sinkt stetig

In Deutschland wird immer weniger Fleisch produziert – und gegessen. 2021 nahm die Menge im fünften Jahr in Folge ab, so das Statistische Bundesamt. Besonders groß ist mit 2,9 Prozent der Rückgang beim Schweinefleisch. Mit 5,0 Millionen Tonnen liegt Schweinefleisch immer noch mit Abstand auf dem ersten Platz. Insgesamt produzierten die Schlachtunternehmen 7,6 Millionen Tonnen Fleisch - 2,4 Prozent weniger als 2020.

Dinkelreis als DIE Alternative zu herkömmlichen Reis

Die über 5.000 Jahre alte Kulturpflanze Dinkel ist dank ihrer Robustheit und Inhaltsstoffe derzeit sehr beliebt. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Getreidesorten hält Dinkel aufgrund seiner harten Schalte Schädlinge auf natürliche Weise fern. Und anders als herkömmlicher Reis wächst Dinkel auch in unseren Breitengraden - und ist damit klimaschonend regional anbaubar. Dinkelreis hat einen hohen Nährwert - etwa im Vergleich zu Weizen - und schmeckt wunderbar im Risotto, als Reispfanne oder pur als Beilage.

Schweine sind sauber!

Schweine gelten bei vielen noch als dreckig und faul: Das ist ein haltloses Vorurteil. Im Dreck wälzen sie sich beispielsweise nur, um Sonnenbrände zu verhindern und sich vor Ungeziefer zu schützen. Abgesehen von gelegentlichen Schlammbädern sind Schweine sehr saubere Tiere. Auch in den kleinsten Ställen trennen sie Schlafort, Futterplatz und Klo strikt voneinander, wenn irgendwie möglich. Auf Öko-Betrieben, wie die von Naturland, nutzen Schweine meist den Außenbereich, um ihr Geschäft zu erledigen. Auch faul sind sie nicht. Im Gegenteil: Sie spielen gerne, wollen beschäftigt werden und können, wenn es darauf ankommt, bis zu gut Stundenkilometer schnell laufen.

Rares Gut: Bio-Schweinefleisch

In Deutschland werden jährlich rund 27 Millionen Schweine aufgezogen – nur gut ein Prozent von ihnen werden ökologisch gehalten und ernährt. In Europa ist Deutschland der größte Produzent von konventionellem und ökologischem Schweinefleisch. Im Stall steht den Öko-Schweinen im Vergleich zu den konventionellen Artgenossen der dreifache Platz zur Verfügung. Ein ständiger Auslauf ins Freie ermöglicht den Schweinen Bewegung und Klimareize (Regen, Wind, Sonne) senken die Keim- und Schadgasbelastung gegenüber geschlossenen Stallungen.

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