Öko mit Sonne und Hightech

In der Provinz Malaga, nur wenige Kilometer vor Andalusiens sonniger Küste, wird auf rund 35 Bio-Finkas nach strengen Naturland Richtlinien ökologisch geackert. Von Süßkartoffeln über Avocados bis hin zu süßen Mangos wächst und gedeiht rund um das Dorf Algarrobo alles, was viel Sonne braucht und wenig Kälte verträgt. Hier leistet der Naturland Partner BioAlgarrobo seit Jahrzehnten echte Bio-Pionierarbeit.

Lesedauer 4:00 Min

© Ina Hiester
Wer die überlaufenen Strände der andalusischen Costa del Sol hinter sich lässt, den Blick vom Meer abwendet und nach Norden schaut, sieht nicht weit entfernt steile Berge aufragen. „Den Bergen haben wir es zu verdanken, dass in unserer Region schon seit über 30 Jahren Mango- und Avocado-Bäume gedeihen – Kulturen, die eigentlich in subtropischen Ländern zuhause sind. Die Berge schützen uns vor dem kalten Nordwind, weshalb wir hier das ganze Jahr über warme Temperaturen haben“, erklärt José Carlos Varela Velázquez, Gründer von BioAlgarrobo.

José Carlos wollte es anders machen

Mit seinen 67 Jahren ist der andalusische Bio-Pionier zwar eigentlich pensioniert, aus dem Betrieb ist er jedoch nicht wegzudenken. Schon sein Großvater und sein Vater waren Landwirte, doch in José Carlos regte sich bereits in jungen Jahren der Wunsch, anders zu wirtschaften. Bereits 2002 startete er mit einigen Freunden die ersten Bio-Versuche, 2005 gründeten sie eine Gesellschaft für die Vermarktung ihrer Produkte: BioAlgarrobo.

„Ich war überzeugt, dass es neben der konventionellen Landwirtschaft eine alternative Art und Weise geben musste, diese fruchtbare Region landwirtschaftlich zu nutzen, ohne sie auszubeuten und mit Chemikalien zu Grunde zu richten.“

© Copyright-Text

José Carlos senior in einem der Gewächshäuser von BioAlgarrobo.

© Copyright-Text

Mehr Bio per „Boca-a-Boca“

Antonio Manuel Martin Perea ist als „responsable del campo“ erster Ansprechpartner für die immer zahlreicher werdenden Landwirte, die ihre Schätze über BioAlgarrobo vermarkten. „Heute sind wir bereits über 400! Unser Geheimnis lautet: Boca-a-Boca – Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir unterstützen und beraten unsere Landwirte, sind jeden Tag auf den Finkas unterwegs, zahlen faire Preise und geben Abnahmegarantien. Sowas spricht sich rum! Obwohl wir niemanden vertraglich dazu verpflichten, verkaufen unsere Landwirte ihre Erträge nur an uns. Zwar sind alle eigenständig, dennoch leben wir den Spirit einer Kooperative“, erzählt Antonio. Die kleinste Finka umfasst gerade mal einen halben, die größte zwölf Hektar Land. Besonders die kleinen Familienbetriebe hätten allein kaum eine Möglichkeit, faire Preise für ihre Mangos, Avocados, Maracujas, Paprikas und Tomaten zu bekommen. So profitiert heute eine ganze Region von José Carlos‘ Überzeugung, dass es auch anders geht.

Antonio Perea ist Ansprechpartner für die vielen Landwirte von BioAlgarrobo.

Anerkennung von Naturland

Seit 2013 ist BioAlgarrobo Naturland-zertifiziert und jedes Jahr bewirtschaften mehr Erzeuger ihre Finkas nach den strengen Verbandsrichtlinien. Firmengründer José Carlos erzählt: „Viele unserer Landwirte waren bereits vor der Zertifizierung nachhaltiger, als es die EU-Verordnung verlangt – etwa was den Umgang mit Wasser oder soziale Aspekte angeht. Mitglied bei Naturland zu sein bedeutet für uns, dass diese Zusatzleistungen auch anerkannt werden.“ Für Agraringenieur Antonio ist der Verband zu einer kostbaren Informations- und Inspirationsquelle geworden:

„Landwirtschaft wird vor allem angesichts des Klimawandels immer anspruchsvoller, da kommen nationale und europäische Richtlinien kaum hinterher. Umso wichtiger, dass Verbände wie Naturland Bio aktiv vorantreiben.“

Besonders viel hat er in Sachen Boden dazugelernt: Stolz gräbt er mit den Händen zwischen den Avocado Bäumen, in seiner Jahr für Jahr dicker werdenden Mulch-Schicht aus heruntergefallenen Blättern und Zweigen. Mit der Zeit verwandelt diese sich in kostbaren Humus und hält seine Böden fruchtbar, kühl und feucht.

© Copyright-Text

Neben Tomaten, Avocados und Maracujas werden auch Mangos erfolgreich angebaut und vermarktet.

© Copyright-Text

Mit Sonnenkraft und Laser gegen CO2-Emissionen und Müll

Weil immer mehr Landwirte ihre Produkte über BioAlgarrobo vermarkten wollten, zogen Lager, Verwaltung und Packstation 2015 in ein neues Gebäude um. Dieses deckt mit einer großen Solar-Anlage auf dem Dach seinen Strombedarf komplett selbst. „2021 haben wir rund 180.000 Kilowattstunden Strom erzeugt – und dadurch 45 Tonnen CO2 eingespart“, rechnet José Carlos Junior stolz vor.

José Carlos mit dem Umweltpreis 2020.

Und 2019 sagte BioAlgarrobo als erste spanische Firma mit der Anschaffung einer Lasermaschine der Verpackungsflut den Kampf an. „Das war zwar eine finanzielle Herausforderung, aber die Mengen an Plastik-Verpackungen, die wir durchs Lasern sparen, sind es wert. Schon 2050 wird es voraussichtlich in unseren Meeren mehr Plastik als Fische geben – wir müssen jetzt gegensteuern!“, ist José Carlos Junior überzeugt. 2020 erhielt BioAlgarrobo für diese innovativen Nachhaltigkeitsbemühungen den andalusischen Umweltpreis.

Bilder: © Ina Hiester

Schon gewusst?

Thripse liebt Zucchini.

Diese Liebe des Insekts beruht leider nicht auf Gegenseitigkeit: Die Thripse auch Fransenflügler genannt, saugt mit scharfen Mundwerkzeugen den Saft aus der Pflanze, die daraufhin abstirbt. Wenn sie sich in der Zucchiniblüte zurückzieht, ist es sehr schwer die Thripse auf natürlichem Weg zu bekämpfen. In BioAlgarraobo hat man mit blauen Platten, die mit einer klebrigen Schicht versehen werden und ein Meter über der Pflanze aufgehängt werden, ein wirksames und giftfreies Mittel zur natürlichen Schädlingsbekämpfung gefunden.

Gurken mit eigener Wespen-Armee.

Blattläuse sind eine echte Delikatesse für Schlupfwespen. Um den Befall der Gurkenpflanzen mit der Grünen Gurken-Blattlaus auf natürlichem Weg vorzubeugen, siedelt man in BioAlgarrobo präventiv Schlupfwespen an: Bereits vor der Gurken-Aussaat werden Pflanzen mit einer unschädlichen Blattlausart angebaut. Wespen nehmen den „Duft“ auf weite Entfernungen wahr und eilen zum Festmahl. Dank der hungrigen Beschützer hat die Grüne Gurken-Blattlaus keine Chance sich auszubreiten.

Avocado ja oder nein?

Nach einem regelrechten Hype um den gesunden Superstar folgte der Fall: schlechte Klimabilanz, hoher Wasserverbrauch – Finger weg! Ja und nein. Die hohe Nachfrage führte im konventionellen Anbau zu Massenproduktion mit Pestizideinsatz und Monokulturen. Der Transportweg aus Mexico, dem Avocado-Exportland, ist mit hohen Emissionen verbunden. Inzwischen gedeihen Avocados in Spanien, wie Bio Algarrobo beweist. Das verkürzt den Transport und ermöglicht emissionsärmere Transportmittel. Auf den Bio-Finkas spart der Öko-Landbau bis zu 30% Wasser ein: Die reiche Humusschicht hält die Böden fruchtbar, kühl und feucht.

Süß, die Kartoffel!

Sie sind weder verwandt noch verschwägert: Die meist heimische Kartoffel ist ein Nachtschattengewächs, wohingegen die Süßkartoffel zu den Windengewächsen gehört. Letztere braucht sonniges Klima, um zu gedeihen. Beide enthalten wichtige Mineralstoffe, doch die Süßkartoffel hat in punkto Vitamin A und Betacarotin die Nase vorn. Bei der Süßkartoffel sind sogar die Blätter für den Verzehr geeignet und können wie Spinat zubereitet werden.

Nach oben
Diesen Beitrag teilen...

Weitere spannende Themen für Dich

© Naturland
N-MACHEN

Ab auf die Weide

Die braun-weiß gefleckte Kuh auf der sattgrünen Weide – nur ein gern genutztes Werbebild für Bayern? Nicht bei Jakob Sichler im Chiemgau. Denn so...
© Dirk Bruniecki
N-MACHEN

Heimisches Bio-Gemüse auch im Winter

Draußen ist es kalt. Die Bäume sind kahl, die Felder liegen brach. Die Landschaft scheint im Winterschlaf zu sein. Kaum vorstellbar, dass zu dies...
© 2020, Magazin N wird herausgegeben von Naturland e.V.
Folge Naturland auf Social Media
Naturland Logo