„Wein ist wie gute Musik für mich!“

Er liebt Wein, er lebt Wein. Toni Askitis, bekannt als #asktoni, ist Sommelier aus Leidenschaft. Im Interview mit dem Magazin N erklärt der Düsseldorfer Grieche, warum ökologisch erzeugter Wein die Zukunft ist, was sich für eine gesündere Welt ändern muss und gibt ein paar Tipps zum ultimativen Weingenuss.

Lesedauer 3:00 Min / 6 Sep, 2021

Dein Motto ist „Wein ist unkompliziert“. Wie meinst du das?

Toni: Man muss dieses Mauerwerk, welches um das Thema Wein existiert, einreißen. Das hat sich die Weinwelt selbst aufgebaut: dieses elitäre Verhalten, wo vermeintlich teuer gleich gut bedeutet. Ich finde, es muss auch Wein für jedermann geben! Es gibt so viele tolle WinzerInnen da draußen, die für ihre Arbeit kaum etwas kriegen. Und die unterstütze ich auf meinen Kanälen.

Wie können wir deiner Meinung nach die Bio-Wende vorantreiben??

Toni: Ökologisch erzeugter Wein wird künftig der Standard sein. Es gibt zum Glück immer mehr innovative Leute, die davon getrieben sind, Wein in guter und biologischer Qualität zu produzieren. Überhaupt legen WinzerInnen heute viel mehr Wert auf Qualität und guten Geschmack, obwohl man dafür viel mehr arbeiten muss. Wenn Naturnah gearbeitet wird, sind die Weine meist energetischer. Das animiert zum Trinken – die Flaschen mit solch einem Inhalt werden meist am schnellsten leer. Gut, dass das so ist. Viele Winzer sind Ideologen und tun alles für mehr Geschmack und Qualität. Man kann sagen: Da hat die Natur Glück gehabt. Denn ungespritzte Dinge schmecken einfach besser. Die Menschen müssen aber vor allem ein Bewusstsein über ihr eigenes Dasein entwickeln. Nicht nur beim Thema Ernährung, sondern bei allem. Man sollte darüber nachdenken, ob man wirklich alles braucht, was man besitzt. Oder ob man auf Dinge wie Autos, Klamotten, Fleisch und Co. nicht auch mal verzichten kann.

Wie wichtig ist dir das Thema Klimagerechtigkeit?

Toni: Ich habe drei Kinder. Mir liegt es am Herzen, dass meine Kinder eine ähnliche Welt erleben können wie ich. Es liegt definitiv an uns, das zu bewahren. Diese Ausbeutung und Zerstörung der Natur für maximale Effizienz und maximalen Profit ist einfach falsch. Da müssen sich aber erst andere Werte in der Gesellschaft bilden, die nichts mit Statussymbolen oder sonstigen Prahlereien zu tun haben. Aber die jüngeren Generationen sind meiner Meinung nach teilweise auf einem guten Weg.

 Was ist das Besondere an Wein für dich?

Toni: Wein ist wie Kunst für mich, wie gute Musik. Mich berührt das. Das ist wie mit einem früheren Lieblingssong, den man nach ein paar Jahren wieder hört und sich genau an die Zeit, an das Gefühl, an bestimmte Situationen von damals erinnert. Genauso ist es bei mir mit Wein. Außerdem ist Wein unheimlich vielfältig.

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Worauf sollte man beim Weinkauf achten?

Toni: Bei meinen Tastings sagen die Teilnehmer oft, dass es ihnen nur um „schmeckt oder schmeckt nicht“ geht. Das ist auf jeden Fall der Spirit, aber es gibt noch eine Hürde, die jeder nehmen muss. Und zwar die zum nachhaltig/handwerklich produzierten Wein! Also Finger weg von Industrieprodukten. Ich will, dass man WinzerInnen unterstützt, die nicht das Land und die Natur für den größtmöglichen Profit ausnutzen, sondern das Geschenk ihres Weingutes anerkennen. Und die versuchen, einer nachkommenden Generation auch noch die Möglichkeit zu geben, dort eines Tages zu leben und zu arbeiten.

Welche Tipps & Tricks kannst du uns ansonsten rund um das Thema Wein geben?

Toni: Erst einmal würde ich empfehlen, in der nächstgelegenen Weinregion direkt oder zumindest im Weinhandel zu kaufen – nicht im Supermarkt.
Die Temperatur ist entscheidend. Weißwein darf nicht zu kalt getrunken werden, Rotwein nicht zu warm. Die vorhergesehene Temperatur bei Weißwein liegt bei 7 bis 9 Grad, bei hochwertigeren sogar bis zu 12 Grad. Und kein Rotwein auf Erden sollte über 18 Grad getrunken werden – eher 14 bis 16 Grad. 

Du liebst Wein, du lebst das Sommelier-Dasein. Wie bist du zum Wein gekommen?

Ich habe eigentlich eine kaufmännische Ausbildung (Betriebswirtschaft mit Diplom) hinter mir, bin aber ein Kind der Gastronomie. Ich habe schon früh im Restaurant meiner Eltern geholfen und dort angefangen, mich für Wein zu interessieren. Später habe ich mein eigenes Restaurant eröffnet, wo Wein eine große Rolle spielte. Allerdings muss ich sagen, dass mich das arrogante Verhalten vieler Sommelier-KollegInnen der alten Schule total angekotzt hat. Ich habe immer versucht, die Leute am Tisch von den Weinen zu begeistern. Im Jahr 2011 habe ich dann selbst eine Ausbildung zum Sommelier gemacht, seit 2015 moderiere ich Weinproben. Als ich mein Restaurant verkauft habe, habe ich darüber nachgedacht, wie ich noch mehr Leute erreichen kann und bin dann schließlich auf Social Media gekommen. Seitdem mache ich das mit viel Bock an der Sache.

Bildrechte: ©Marvin Flamme | makingmotion.de | 2021, Salt and Silver | 2021, Nico von Nordheim | Gleamlab 2021

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